NVA & BW - Brüder als Gegner

DDR


Offiziell gegründet wurde die Nationale Volksarmee am 18. Januar 1956. Mitte des Jahres bestand die NVA aus etwa 27 % ehemaliger Wehrmachtsangehöriger die stark gefördert wurden, sofern sie sich zur sozialistischen Hingabe überreden ließen. In den kommenden Jahren wurde ein Netzwerk aus Schulungseinrichtungen aufgebaut und Ende 1959 die Militärakademie "Friedrich Engels" in Dresden eröffnet.
Zu Beginn ihres Bestehens war die NVA eine Freiwilligenarmee, nach dem Mauerbau wurde dann die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Eingezogen wurden Männer im Alter von 18. bis 26. Jahre. Darüber hinaus betraf es nur Personen die sich in den vorherigen Jahren dem Wehrdienst entzogen hatten. Wehrpflichtige die keinen Dienst an der Waffe leisten wollten konnten als Bausoldaten ihren Dienst verrichten, was in anderen Staaten des Warschauer Paktes nicht möglich war.


Ablösung von Bausoldaten unter Bewachung
(Copyright: Jürgen Ritter www.ritter-barum.de)


Die Geschichte der NVA begann mit einem Geheimbefehl Stalins, als eine 10.000 Mann starke kasernierte "Polizeieinheit", am 02. Juli 1948. Als Ausbilder wurden ehemalige Wehrmachtsoldaten aus sowjetischen Kriegsgefangenenlagern rekrutiert, die sich damit die Freiheit erkauften. Später fanden Schulungen von zuverlässigen SED-Mitgliedern in einem einjährigen Lehrgang in Russland statt, aus denen sich die künftigen Führungskader bildeten. Als "Parteienarmee" war die NVA im Rahmen des Warschauer Paktes an die Vorgaben der Sowjetunion aber auch an die der SED gebunden.

Amtlich hörte die NVA am 03. Oktober 1990 auf zu existieren. 90 000 Soldaten wurden vorerst von der Bundeswehr übernommen. Darunter 9000 Stabsoffiziere, 15 000 Offiziere, 14 000 Unteroffiziere mit Portepee, 9000 ohne Portepee und 3000 Mannschaften. Dazu kamen 30 000 Grundwehrdienstleistende und 1000 Soldaten im Wartestand.
Von 25 000 die einen Antrag auf Übernahme stellten wurde 18 000 Soldaten in den Status eines SaZ 2 berufen. Nach der zweijährigen Bewährung wurden 10 873 von ihnen als Zeitsoldat bzw. Berufssoldat weiterverpflichtet. Die übernommenen Offiziere wurden im Regelfall um zwei Dienstgrade herabgesetzt was ebenfalls für Unfrieden sorgte.


Bei Eintritt in die NVA musste wie in jeder anderen Armee ein Schwur abgelegt und eine Verpflichtungserklärung abgegeben werden. Diese lautete:

"Ich schwöre, meinem Land, der Deutschen Demokratischen Republik, allzeit treu zu dienen, sie auf Befehl der Arbeiter- und Bauerregierung unter Einsatz meines Lebens gegen jeden Feind zu schützen, den militärischen Vorgesetzten unbedingten Gehorsam zu leisten, immer und überall die Ehre unserer Republik und ihrer Nationalen Volksarmee zu wahren."


Die allgemeine Wehrpflicht betrug 18. Monate und die Einberufung erfolgte halbjährlich Ende April und Ende Oktober.
Auf Wunsch bestand die Möglichkeit sich als Offizier/Unteroffizier auf Zeit zu verpflichten. Auch für Frauen bestand in gewissen Bereichen diese Möglichkeit. Der Ausbildungsstand der NVA war sehr gut und wie auch die Disziplin der Truppe allgemein angesehen. Auch bei der Rüstungsindustrie wurde nur qualifiziertes Personal mit einem Qualitätsanspruch beschäftigt. Zahlreiches Gerät wurde nach dem Zusammenbruch des Regimes von der Bundeswehr übernommen.....


Welche Ergänzungen haben Sie und welche Erinnerungen an diese Zeit?


BRD


Auch in der Bundesrepblik wurden 1950 verstärkt Rufe nach Streitkräften laut und die Aufstellung von Einheiten des Bundesgrenzschutz (BGS) hat hier eine wichtige, erste Rolle eingenommen.
Es folgte der Beitrag zur NATO unter festgelegten Rüstungsbeschränkungen. So sollten die international eingebundenen Streitkräfte nicht über 12 Divisionen mit etwa 500.000 Soldaten verfügen und die Aufstellung bis 1959 abgeschlossen sein. Im Juli 1955 wurde die Aufstellung von 6000 Freiwilligen gebilligt und am 12. November 1955 erhielt in Bonn der erste Soldat die Ernennungsurkunde. In einem Personalgutachten wurden Wehrmachtsoffiziere bezüglich ihrer Vergangenheit überprüft und nach positiven Abschluß als Offiziere übernommen. Wie auch in der DDR bestanden die Ausbilder überwiegend aus kriegserfahrenen Wehrmachtsangehörigen.................

Ab 1986, auf Grundlage der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen in Europa, beobachteten Delegationen der Bundeswehr und NVA die Manöver der jeweils anderen Seite. Augrund der unterschiedlichen Struktur, Aufgabenbereiche und der gegenseitigen Vorurteile waren Berührungsängste zwischen den Vertretern unverkennbar .........

Die Bundeswehr übernahm nach der Auflösung der NVA das vorhandene Großgerät, Waffensysteme und sonstiges Gerät. Demilitarisiertes Material wurde teilweise der Entwicklungshilfe zugeführt, anderes im Rahmen der Vereinten Nationen für den Einsatz im Kosovo übergeben und den USA für den ersten Golfkrieg überlassen. Vieles wurde letztendlich verschrottet. In den Schlagzeilen der nachfolgenden Jahre war auch immer wieder von Waffenexporten ins Ausland die Rede. Die Brisanz der Lieferung von 15 Kampfpanzern in die Türkei sorgte dafür, dass der damalige Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg sein Amt niederlegen musste ............



Welche Ergänzungen haben Sie und welche Erinnerungen an diese Zeit?